Eines der aufwendigsten Forschungs- und Entwicklungsprojekte führte zu einer Hinterachskonstruktion, die alle an den Hinterrädern wirkenden Kräfte optimal aufnimmt. Nur so entstehen Geradeauslauf, Kurvenstabilität und Spurtreue in einer Präzision, wie sie bisher nicht denkbar war.Mit der Zeit und der Belastung der Kilometer altern die Gummiverbindungen der Lenker, was sich durch merkwürdiges Verhalten in Kurven und Eigenlenkverhalten der Hinterachse bei Lastwechseln bemerkbar machen kann. Logisch, es handelt sich ja um die Umkehr des oben genannten Sollzustandes.
Pro Hinterrad sind fünf Lenker so angeordnet und auf die elastischen Lager abgestimmt, daß - im Gegensatz zu allen anderen Achssystemen - trotz höchstem Fahrkomfort kein ungewünschter Lenkeffekt an den Hinterrädern auftritt.
Voraussetzungen:Eine reichlich bebilderte Anleitung für die Überholung einer Raumlenkerachse im W201 findet sich auf der Seite von Michael. Sehr empfehlenswerte, um einen Eindruck davon zu bekommen, was mit Bordmitteln möglich ist, und wie es dann aussieht.
Hebebühne oder Unterstellböcke. Mit der Hebebühne ist es natürlich bequemer, geht aber auch mit aufgebockten Fahrzeug.
Rangierwagenheber: den braucht man um die Achse einzufädeln,
Bremsenreiniger + Loctite Schraubensicherung,
Eine neue Schelle für Endtopf (eventuell auch gleich neue Auspuffgummis),
Bremsenentlüftungsgerät oder entsprechenden Werkstatttermin.
In der Werkstatt werden die Lager mit einem Abzieher "rausgezogen", das muß aber eine ziemlich anstrengende Sache sein. Für uns Hobbymechaniker ist es einfacher, die komplette Hinterachse auszubauen, das klingt spektakulär, ist es aber gar nicht.
Lösen von: Stoßdämpfer (unbedingt im Kofferraum!), Stabilisatorverbindungen, Bremsschläuchen, Hardyscheibe, Endtopf, Handbremsseilen (man baut die komplette Umlenkmechanik aus, danach lassen sich die Seile ganz einfach aus der Befestigung nehmen).
Dann hängt die Achse nur mehr an vier Schrauben, nun stellt man unter das Differential den Rangierwagenheber und öffnet die 4 Schrauben in den Gummilagern (geht am einfachsten mit einem Preßluftschrauber, aber natürlich auch so). Nun kann man die Achse bereits absenken, möglicherweise hängt sie in einem der Gummilager fest, da muß halt ein bißchen mit einem großen Schraubenzieher nachhelfen.
Nun hat man die Achse vor sich liegen, nimmt ein Meißel und schlägt die Lager heraus, das geht relativ einfach, weil die Lager aus sehr dünnem Blech sind (nicht zu verglichen mit Motorlagern). Ich habe für ein Lager ca. 5 Minuten gebraucht (Bj. 86!)
Danach reinigt man die Aufnahmen und schmiert sie mit Silikonspray ein (greift Gummi nicht an), das gleiche macht man mit den Gummilagern (nicht sparen!). Danach flutschen die Lager fast mit "Handkraft" hinein, sollten aber mit ein paar gezielten Hammerschlägen (eventl. Gummihammer) auf den äußeren Blechrand paßgenau hineingetrieben werden.
Nun legt man die Achse mit dem Differential wieder auf den Wagenheber und fädelt alles wieder ein, das ist zu zweit überhaupt kein Problem, und macht alle Schraubverbindungen wieder zu. Die Schrauben der Gummilager reinigt man und gibt einen Tropfen Loctite Schraubenfest drauf. Das gleiche macht man mit den Schrauben der Hardyscheibe.
Wir waren zu zweit und haben die Aktion ohne Stress in 5 Stunden bewältigt.
Ich wollte Euch Mut machen, auch scheinbar kompliziertere Arbeiten an Eurem Benz selbst zu machen. Das Fahrzeug ist wirklich reparaturfreundlich konstruiert.
Grüße aus Wien, Wolfgang
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