Die Vorderachse

Federbein und Dreieckslenker bilden zusammen mit einem Querstabilisator die ganze Vorderachskonstruktion.

Ausgeschlagene Stabilisatorgummis

Die Gummis des Stabilisators ermüden mit der Zeit und es klappert dann beim Überfahren von kleinen Unebenheiten leicht von vorn. Gleichzeitig arbeitet sich die Kunststoffbeschichtung des Stabis weg, zumindest an den äußeren Enden, wo die größte Relativbewegung zwischen Rad und Aufbau stattfindet.

Also vier neue Stabigummis kaufen und auswechseln, das ist auch ohne Hebebühne in überschaubarer Zeit gemacht, ein Rad sollte man aber demontieren. Wenn man den Stabi so auf dem Küchentisch liegen hat, fällt einem vielleicht auf, daß die Beschichtung an den Stellen, an denen die Gummis sitzen, völlig weg ist, darunter evtl. bereits der Rost gewütet hat. Setzt man über diese verdünnten Stellen die neuen Gummis, wird es wieder klappern - also keine gute Idee.

Obwohl der Stabi an diesen Stellen defekt ist, kann man versuchen, ihn zu retten, ein neuer kostet immerhin im Bereich von hundert €, je nach Fahrzeug und Ausführung (Stabilisatoren für die Sportline-Ausführung sind kräftiger und teurer).
Also säubert man die Stellen, an denen die Beschichting des Stabilisators defekt ist, entfernt den gröbsten Rost und versucht, die Beschichtung zu "restaurieren".

Eine Möglichkeit ist die Verwendung von Isolierband, damit umwickelt man die ausgearbeiteten Stellen solange, bis die neuen Gummis nur noch stramm darüberpassen. Zur Montage der Gummis sollte man kein Öl oder Fett nehmen sondern höchstens Spülmittel oder Silikonspray. Anschließend das Gelumpe mit neuen selbstsichernden 8er Muttern befestigen - und Ruhe ist.

Dieses Unterfüttern mit Isolierband hält leider nicht lange, auch die Kunststoffbeschichtung wurde ja weggearbeitet, aber für ein paar Monate ist die Reparatur gut, je nach Verschleißzustand und Verwendungsweise des Fahrzeuges. Insbesondere bei den äußeren Buchsen, in denen sich der Stabi beim Einfedern axial verschiebt, wird das Isolierband jedoch relativ schnell wieder zerstört.

In diesem Beitrag berichtet Rüdiger begeistert von seinen auf diese Weise überholten Stabibuchsen.

Eine andere Variante besteht darin, zwischen die Gummibuchse und die äußere Halteschelle einen passenden Blechstreifen (z.B. aus einem alten Auspuffrohr) zwischenzulegen. Das hat den Vorteil, daß die Gummibuchse mit mehr Vorspannung gehalten wird, also weniger Spiel auftreten kann (kein Geklapper mehr). Weiterhin kann der Blechstreifen, der ja zwischen Buchse und Halter keine Seitenkraft aufnehmen muß, nicht seitlich verschoben oder herausgearbeitet werden.

Wirklich entspannte Ruhe beim Überfahren meiner Lieblingshubbel brachte bei meinem ollen Tee jedoch nur der Austausch des ollen Stabis gegen ein intaktes Exemplar, das ich relativ günstig bei ebay geschossen habe.

Ein "interessanter" Geräuscheffekt im Zusammenhang mit den Stabigummis ist übrigens das Stöhnen. Bei Nickbewegungen des Vorderwagens kommt es ein- oder beidseitig zu schabenden Geräuschen, die sich wie Stöhnen anhören. Hier ist Schmutz zwischen die Gummis und den Stabi gekommen, der dann bei der Drehbewegung des Stabis in der Lagerung zu diesen merkwürdigen Geräuschen führt. Reinigen sorgt für Abhilfe und bewahrt den Stabi davor, daß der eingedrungene Schmutz ihn aufreibt.

Die Lagerung des Lenkzwischenhebels

Eine weitere Ursache für leichte Klappergeräusche beim langsamen Überfahren von Unebenheiten ist die ausgeschlagene Lagerung des Lenkzwischenhebels. Dies läßt sich relativ einfach feststellen, indem man die frei hängenden Vorderräder über 3 Uhr und 9 Uhr kippelt. Hat das rechte Rad Spiel, das linke jedoch nicht und kann man z.B. zu großes Radlagerspiel und ausgeschlagene Spurstangenendstücke ausschließen, so läßt sich das Spiel vermutlich bis in die Lagerung des Lenkzwischenhebels verfolgen.

Wie Wolfgang am 01.03.2002 in seinem Beitrag beschrieb, kann man die Lagerbuchsen nach oben austreiben und die neuen relativ einfach wieder einsetzen. Dann hat man, je nach Einsatzbereich des Fahrzeuges, für mehrere 10tkm wieder Ruhe und eine präzisere Lenkung, als vorher.

Bei meinem Tee hatten jedoch sowohl die Schraube, als auch die Mutter SW24, dies ist wohl etwas stärker dimensioniert, als beim W201. Weiterhin bekommt man zumindest beim M103 (260 oder 300) den Bolzen nur nach oben heraus (und wieder hinein), wenn man vorher die Auspuffanlage demontiert hat. Dies ist jedoch relativ leicht machbar, da die Anlage komplett unter dem Fahrzeug hängt, nicht über die Hinterachse geführt ist und deshalb nicht getrennt werden muß.

Weitere Klappergeräusche

Weitere mögliche Ursachen für leichtes Klappern von vorne sind defekte Radlager mit zu großem Spiel, insbesondere in axialer Richtung auf der Nabe.

Auch in den Rahmen der Schwimmsattelbremse kann es klappern, wenn die Führungen der Bolzen ausgeschlagen sind oder die Fettfüllung sich durch eine defekte Gummimanschette verflüchtigt hat und der Bolzen dann dünn rostet. Diese Schwammsattelkonstruktion gehört sowieso nicht zu meinem engeren Freundeskreis.

Der innere Stabihalter

Der Stabi ist innen an zwei Federstahlbändern am Längsholm aufgehängt, die mit der Zeit ermüden und brechen können. Oft bricht es in der Rundung, die das Gummi umfaßt oder radial an einem die Schraubenlöcher. Die Folge so eines Halterbruches ist akustisch furchtbar, Heinrich, der Wagen bricht! könnte man vermuten, wenn man über Unebenheiten fährt. Es knallt gehörig. Beim Aufsetzen des Rades nämlich werden die beiden Bruchstellen des Halters, die beim Abheben vielleicht einen oder zwei mm auseinandergezogen wurden, aufeinandergestoßen, so daß es heftigt knallt.

Fährt man so ein Weilchen durch die Gegend, klopfen sich die Bruchstellen regelrecht rund. Weiß man bereits, daß man erst am nächsten Montag in die Werkstatt oder erst am Wochenende zum Schrauben kommt, sollte man die abgebrochene Schelle des Stabigummis lösen und entfernen oder zumindest samt Halterrest waagerecht stellen, um das Aufeinanderschlagen der Teile abzustellen. Bis zur Reparatur sollte man an keinem Slalomwettbewerb teilnehmen, da der Stabi zumindest an einer Stelle in der Luft hängt und die anderen Lagerpunkte entsprechend mehr und jenseits der Spezifikation belastet werden.

Die Abhilfe ist zum Glück einfach und relativ kostengünstig.

Neue Halter kaufen und montieren, Mutige wechseln nur die defekte Seite, alle anderen gleich beide. Die Arbeit ist bei eingeschlagenem Vorderrad und normal stehendem Fahrzeug möglich, indem man sich einfach unter die Kiste legt. Wenn Mann nicht mehr darunterpaßt, sollte man abnehmen oder - das geht meist schneller - doch das Fahrzeug anheben und ordentlich absichern.

Der Effekt des neuen Halters ist sehr bemerkenswert: Ruhe :-)
Aufpassen, wenn man es zum zweiten Mal macht, um vielleicht einem Freund zu helfen: die Halter sind grundsätzlich links und rechts verschieden und auch nach Fahrzeugart unterschiedlich. Also schön mit der Fahrgestellnummer zu Mercedes oder selbst im EPC nachsehen.
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